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Energiemanagementsysteme: Die neue ISO 50001:2018 ist veröffentlicht

Die ISO 50001 wurde als Version 2018 am 20.08.2018 veröffentlicht.
Sie ersetzt die bisherige Fassung ISO 50001:2011.

Die ISO 50001:2018 übernimmt, wie auch andere bereits veröffentlichte Managementsystem-normen (z.B. ISO 9001, ISO 14001 oder ISO 45001) die sogenannte High Level Structure (HLS). Daraus ergeben sich Änderungen, die zertifizierte Unternehmen zukünftig beachten müssen. Darüber hinaus enthält die revidierte Fassung auch Änderungen in Bezug auf energiespezifische Themen, die vor allem die Anforderungen des Standards präzisieren. Hier konnte man von den Erfahrungen profitieren, die bei der Anwendung der 2011er-Version gemacht wurden.

Die Neufassung wurde erarbeitet, da die turnusgemäße Überprüfung der Norm (die immer fünf Jahre nach Veröffentlichung stattfindet) Handlungsbedarf ergeben hat, und zudem die Norm auf die neue High-Level-Structure (HLS) umgestellt werden musste.

 

Die wichtigsten Änderungen der ISO 50001:2018 - Kurzübersicht

ISO 50001:2011                                                                 

Revision ISO 50001:2018    

1 Anwendungsbereich

1 Anwendungsbereich

2 Normative Verweisungen

2 Normative Verweisungen

3 Begriffe

3 Begriffe

4 Anforderungen an ein Energiemanagementsystem

4 Kontext der Organisation

4.1 Allgemeine Anforderungen

5 Führung

4.2 Verantwortung des Managements

6 Planung

4.3 Energiepolitik

7 Unterstützung

4.4 Energieplanung

8 Betrieb

4.5 Einführung und Umsetzung

9 Bewertung der Leistung

4.6 Überprüfung

10 Verbesserung

4.7 Managementbewertung

 
  • Übernahme der Anforderungen der ISO an Managementsystemstandards, einschließlich eines Basistextes, gemeinsamen Begriffen und Definitionen, die konsistent zur High Level Structure (HLS) sind und damit ein hohes Maß an Kompatibilität mit anderen Managementsystemstandards gewährleisten
  • Stärkere Einbindung in die Unternehmensstrategie
  • Stärkere Betonung der Rolle des Top-Managements
  • Begriffe und Definitionen wurden aktualisiert: einschließlich der Präzisierung der Definition von Energieleistungskennzahlen (EnPI) und der energetischen Ausgangsbasis (EnB), um ein besseres Verständnis dieser Konzepte zu ermöglichen.
  • Aufnahme neuer Definitionen
  • Energetische Bewertung: Präzisierung des Prozesses in Bezug auf den signifikanten Energieeinsatz (SEU)
  • Normalisierung der EnPI(s): Liegen der Organisation Daten vor, aus denen hervorgeht, dass sich relevante Variablen erheblich auf die energetische Leistung auswirken, muss die Organisation eine Normalisierung der EnPI(s) und der entsprechenden energetischen EnB(s) vornehmen, um Änderungen der energetischen Leistung zu vergleichen.


ISO 50001:2018 Übergangsfrist

Die Übergangsfrist wurde durch das IAF (International Accreditation Forum) auf drei Jahre ab dem Datum der Veröffentlichung  der finalen Version des Standards (20.08.2018) festgelegt  Nach Ablauf der Frist (19.08.2021) werden alle ISO 50001:2011 Zertifikate ungültig. Laut IAF müssen die Akkreditierungsstellen bereit sein, innerhalb von 6 Monaten ab dem Datum der Veröffentlichung der überarbeiteten Norm Übergangsbewertungen bei den Zertifizierungsstellen für ISO 50001:2018 durchzuführen.

Zertifizierungsgesellschaften müssen den Übergang mit der zuständigen Akkreditierungsstelle für ISO 50001:2018 innerhalb von 18 Monaten ab dem Datum der Veröffentlichung der überarbeiteten Norm abschließen (bis 19.02.2020). Außerdem müssen Zertifizierungsgesellschaften die Durchführung von Audits, einschließlich der Erst-, Überwachungs- und Rezertifizierungsaudits nach ISO 50001:2011, 18 Monate nach dem Datum der Veröffentlichung der finalen Norm (bis 19.02.2020) einstellen.

SystemCERT darf also ab 20.02.2020 nur noch nach der neuen Fassung auditieren. Unternehmen müssen die Umstellung demnach frühzeitig planen und können die dreijährige Frist nicht - wie es beispielsweise bei der ISO 9001 und ISO 14001 häufig der Fall war - bis zum Ende ausreizen. Wir empfehlen daher allen Unternehmen, den Aufwand für die Umstellung nicht zu unterschätzen. Indem Sie sich frühzeitig mit den Änderungen auseinandersetzen und Ihr Managementsystem dahingehend analysieren, können Sie den Aufwand realistisch für sich einschätzen und rechtzeitig mit der Umstellung beginnen.


Die Revision der ISO 50001 – Änderungen im Detail

Die HLS - High level structure

Seit dem Jahr 2012 gibt es in der Internationalen Normenorganisation ISO eine Vorgabe für die Entwickler aller Managementsystem-Normen, wie diese aufzubauen sind: Sie haben eine gemeinsame Grundstruktur, die aus 10 Abschnitten besteht – das ist die High-Level-Structure. Diese erleichtert vor allem solchen Unternehmen das Leben, die neben der ISO 50001 noch andere Managementsysteme, wie ISO 9001 für Qualität oder ISO 14001 für Umweltschutz eingeführt haben – in allen Normen stehen die Anforderungen zu bestimmten Themen jetzt im selben Abschnitt, so dass eine Zusammenführung der Systeme erleichtert wird. Gleichzeitig enthält die HLS einen allen Normen gemeinsamen Grundtext und einheitliche Begriffsdefinitionen, die ebenfalls das Zusammenspiel verschiedener Managementsysteme erleichtern.

Was wird neu durch die HLS ?

Aufgrund des gemeinsamen Grundtextes der HLS werden die Anforderungen an ein Energiemanagementsystem (EnMS) erweitert. Am wichtigsten: Die strategische Einbindung des EnMS muss sichergestellt werden. Dazu müssen für das EnMS relevante interne und externe Themen sowie interessierte Parteien, die für das EnMS relevant sind, und deren Anforderungen ermittelt werden. Die Ermittlung von gesetzlichen und anderen Anforderungen, zu denen sich die Organisation verpflichtet hat, wird damit um eine Analyse zu internen und externen Einflüssen auf die energiebezogene Leistung und das Energiemanagementsystem erweitert. Solche Einflüsse können z.B. Politik, Verbraucherverbände, verfügbare Techniken oder Interessen von Eigentümern und Mitarbeitern sein. Die sich aus den Analysen ergebenden Risiken und Chancen für das EnMS sind zu untersuchen und müssen ggf. bei der Planung berücksichtigt werden.

Außerdem fällt der bisher geforderte Beauftragte der obersten Leitung weg – künftig ist die oberste Leitung insgesamt gefordert, sicherzustellen, dass das EnMS seine beabsichtigten Ergebnisse erzielt. Für die operative Betreuung des EnMS ist in Zukunft das Energiemanagement-Team verantwortlich (das aber aus nur einer Person bestehen kann, die dann auch Energiemanagementbeauftragte/r genannt werden kann).

Weitere Änderungen ?

Aus der turnusgemäßen Überprüfung der Norm ergab sich vor allem der Bedarf, einzelne Anforderungen klarer zu formulieren. So wird etwa klargestellt, dass bei der energetischen Bewertung für jeden wesentlichen Energieeinsatz die relevanten Variablen, die ihn beeinflussen, die aktuelle energiebezogene Leistung und Personen, die ihn beeinflussen können, zu ermitteln sind.

Auch die Rolle von Energieleistungskennzahlen (EnPI) und energetischer Ausgangsbasis (EnB) wird klarer dargestellt: die EnPI sollen dazu dienen, die Verbesserung der energiebezogenen Leistung nachzuweisen – und dies erfolgt durch den Vergleich mit der entsprechenden Ausgangsbasis (in den Anmerkungen wird hierzu auf den Leitfaden DIN ISO 50006 verwiesen). Neu ist auch die Anforderung, beide Werte ggf. zu normalisieren, also Änderungen von relevanten Variablen (und ggf. statischen Faktoren) in die Berechnung mit einzubeziehen. In diesem Zusammenhang wird auch ausdrücklich in der Norm gefordert, dass es spezifische Ziele zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung geben muss.

Schließlich werden noch die Anforderungen an einen „Plan für die Energiemessung“ konkretisiert: In diesem muss festgelegt werden, wie Daten gesammelt bzw. gemessen werden. Die Daten müssen umfassen:

  • relevante Variablen bezüglich wesentlicher Energieeinsatzbereiche,
  • Energieverbrauch der wesentlichen Energieeinsatzbereiche und der Organisation,
  • Betriebsmerkmale der wesentlichen Energieeinsatzbereiche,
  • statische Faktoren (falls zutreffend),
  • in Aktionsplänen festgelegte Daten.

Auch die Methoden, mit denen gültige Mess- und Überwachungsergebnisse sichergestellt werden sollen, müssen bestimmt werden.

Was ist geblieben ?

An den Kernkonzepten wird nicht gerüttelt, erkannte Schwächen werden abgestellt. Damit hilft die Neufassung dabei, bestehende Energiemanagementsysteme zu verbessern.

Ansprechpartner

andeas sw
Andreas Tiefengraber    

+43 (0)3842 / 48476-14
a.tiefeng..@systemcert.at

andrea sw
Andrea Ruderes    

+43 (0)3842 / 48476-11
a.ruderes@systemcert.at

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Michelle Peinsipp   

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m.peinsipp@systemcert.at
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